300 Jahre Freimaurerei werden auch in Ingolstadt gefeiert. Auf den ersten Blick scheinen Sie etwas aus der Zeit gefallen, die Herren mit Zylinder, Frack und Abzeichen. Sie sprechen von einem "Tempel" als ihren Versammlungsort und erkennen einander an bestimmten Zeichen. Auch in Ingolstadt treffen sich regelmäßig Freimaurer zur "Tempelarbeit", sie gehören der Loge "Theodor zur festen Burg"an und ihr "Hauptquartier" befindet sich im Tor Heydeck, das einst zum gleichnamigen Festungsbau in Ingolstadt gehörte.

Von links nach rechts: Georg Ott, Simon Paleduhn, Jürgen Zollenkop, Jürgen Beyer, Alexander Sedlmayr, John Oehm, Hans Schaller, Christian Wölfe, Dr. Dr. Christoph Hiendl, Albrecht Heuer, Dirk Skirde, Stephan Boos (Bild: Melanie Anzenheimer)

Eigentlich ist die Ingolstädter Freimaurerloge (die wiederum innerhalb der "Großloge der Alten Freimaurer und Angenommenen Maurer von Deutschland" A.F.u.A.M.v.D.organisiert ist) ein Import, denn sie wurde im Jahr 1804 von Carl Theodor Graf zu Pappenheim ebendort gegründet. Nach einer zwischenzeitlichen Auflösung der Loge und der anschließenden Wiederbelebung durch einen anderen Pappenheimer (nämlich Maximilian Graf zu Pappenheim) wurde die Bauhütte 1996 nach Ingolstadt verlegt. Seit dem Jahr 2000 ist das Tor Heydeck das Zuhause der Herren (Frauen sind nicht zugelassen), die aus den unterschiedlichsten Berufsgruppen stammen und auch hinsichtlich ihres Alters mehrere Genereationen abdecken. Was sie eint ist das Streben nach einem besseren, einem moralisch guten Ich, einem toleranten Umgang miteinander, einer vorurteilsfreien Sicht der Dinge. Die Freimaurerei eine Religion, eine Sekte? "In keinster Weise", erklärt Christian Wölfl, "es ist eine sittliche Lebenshaltung."

Die Grundgedanken der Französischen Revolution, also Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, leben in der Freimauerei weiter. Doch ist Gedankengut, das 250 Jahre und mehr auf dem Buckel hat, noch zeitgemäß im Zeitalter von Social Media und Globalisierung? Auf jeden Fall meinen die Brüder der Ingolstädter Loge. Gerade in unserer Ellenbogengesellschaft können die Freimaurer eine Vorbildfunktion einnehmen:

"Wenn überall soviel Toleranz herrschen

würde wei bei uns,

könnte jeder in Frieden leben",

erklären die Ingolstädter Logenmitglieder. Und doch: Bei all den ehrenwerten Zielen umweht die Freimaurer seit ihrer Gründung der Hauch des Geheimnisvollen, ja des Aufrührerischen. Das hängt natürlich mit den für frühere Zeiten revolutionären Gedanken zusammen, etwa von der Gleichheit aller Menschen (ein freimaurerisches Ideal, das z.B. in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung seinen Niederschlag findet). Bis heute aber bleibt ein gewisses "Rest-Rätsel", denn was genau bei einer Versammlung im Tempel passiert, das wissen nur diejenigen, die dabei sind. Das Wort geheim sei im früheren Sinne von zu hause, also daheim, zu verstehen. Man erzählt nich öffentlich, was Zuhause passiert. Verschwiegenheit ist obersters Gebot: "Wir sprechen davon, dass wir uns hier im Templum üben, um dann im Profanum zu bestehen", so Christian Wölfl. "Wir arbeiten alle am rauen Stein, sind nicht vollkommen und sehen uns nicht als etwas Besseres", ergänzt Jürgen Zollenkop.

v.l. Christian Wölfl (Musikmeister), Jürgen Beyer (Zeremonienmeister), und Albrecht Heuer (Bibliothekar) mit ihren Zunftzeichen (Bild: Melanie Anzenheimer)

Sinnbildlich für die Freimaurerei steht der salomonische Tempel, den die mittelalterlichen Steinmetze und Dombaumeister als Vorbild wählten. Dass die Freimaurerei ihren Ursprung in den Dombauhütten des mittelalterlichen Europas hat, erkennt man noch heute sehr gut. Die Symbole, die Titel der Brüder und die Struktur einer Loge ähneln der einer Handwerkszunft. Der freimaurerische Bildungsweg ist in die Etappen Lehrling, Geselle und Meister eingeteilt, bedeutende Symbole der Freimaurer sind Zirkel und Winkel. Bei der Tempelarbeit steht der Meister vom Stuhl den Brüdern vor (in Ingolstadt ist das derzeit Hans Schaller), dazu gibt es verschiedene "Ritualbeamte", etwa den ersten und zweiten Aufseher, den Musikmeister sowie den Redner. Und darauf, dass alle Rituale ihren geregelten Gang gehen achtet der Zeremonienmeister Jürgen Beyer.