Ingolstadt (DK) Es ist eine geschlossene Gesellschaft, die an die Öffentlichkeit gehen will: 300 Jahre nach Gründung der ersten Großloge in London will die Ingolstädter Loge "Theodor zur festen Burg" etwas transparenter werden. Im Jubiläumsjahr sind einige Veranstaltungen geplant.

Man sieht es Tor Heydeck von außen wirklich nicht an, welch außergewöhnliche Vereinigungen dort ihren Sitz haben. Der Klenzebau aus dem 19. Jahrhundert beherbergt neben der Stadtwache und der Gesellschaft Niederland auch ein Logenhaus. "Theodor zur festen Burg" heißt die Ingolstädter Freimaurerloge, die nach Jahrzehnten in Pappenheim 1996 nach Ingolstadt zog und viel Geld in die Renovierung des alten Festungsbaus gesteckt hat.

Tempel

Das Ergebnis kann sich sehen lassen - wenn man als Außenstehender hineinkommt. Denn die Freimaurer sind eine verschwiegene internationale Gesellschaft, um die sich viele Mythen und Märchen gebildet haben. Im Jahr 1717 schlossen sich vier Londoner Logen zur ersten Großloge zusammen. Auch "Theodor zur festen Burg" ist Teil der "Großloge der Alten Freimaurer und Angenommenen Maurer von Deutschland". Aus Anlass dieses Jubiläums wollen die rund 60 Mitglieder (nur Männer) heuer an die Öffentlichkeit treten.

Wer das symbolbehaftete Logenhaus sehen will, sollte sich den 7. Mai vormerken. An diesem Sonntag wird die Loge ihr Haus zweimal öffnen und den Gästen einen Einblick in ihre Rituale geben. Es besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen und zu diskutieren. Der Beginn der öffentlichen Veranstaltungen ist am Mittwoch, 8. März. Der Sozialwissenschaftler und Freimaurer Hans-Hermann Höhmann spricht als Redner der Großloge zum Thema "Von London in die Welt - 300 Jahre Freimaurerei". Matthias Pöhlmann ist Kirchenrat der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und hält am 11. Mai den Vortrag "Zwischen Geheimnis und Öffentlichkeit". Der Journalist Gerald Huber erläutert am 14. Juni die Geschichte der Freimaurerei in Bayern.

Bekannte und weniger bekannte Lieder aus Oper und Operette von Komponisten wie Giuseppe Verdi, Richard Stolz oder Otto Nicolai erklingen am Samstag, 6. Mai. Die Ingolstädter Loge möchte heuer auch das Lustspiel "Die Freimaurer" aus dem Jahr 1784 von Friedrich Ludwig Schröder auf die Bühne bringen. Der Schauspieler und Theaterdirektor gilt als Reformer der Freimaurerei.

Außerdem will die Loge ihr soziales Engagement mit einer Spende an Bruder Martin untermauern und mit der Loge "The Oswald of Dunnikier Lodge" aus der Ingolstädter Partnerstadt Kircaldy eine Partnerschaft eingehen.

Bernhard Pehl im Donaukurier am 10.02.2017 / http://www.donaukurier.de/lokales/ingolstadt/Ingolstadt-Einblicke-in-eine-verschwiegene-Gesellschaft;art599,3324296