Ingolstadt (DK) Die Freimaurerloge "Theodor zur festen Burg" gewährte am Mittwochabend tiefe Einblicke in ihre Tradition und ihr Selbstverständnis. Egon Hanisch, Freimaurer seit 1963, entkräftete vor 40 Teilnehmern viele Klischees. Er betont: "Wir sind kein Geheimbund!"

 

Außenstehende schauen gerne staunend drein, wenn Freimaurer ihre Rituale pflegen – sofern sie überhaupt etwas sehen, denn Logen agieren lieber im Verborgenen . Entsprechend mythenumrankt, geheimnisvoll und klischeegesättigt erscheint das Bild der Maurer in der Öffentlichkeit. Bekittelte Männer in Schwarz, die im düsteren Ambiente tempelähnlicher Behausungen mit weißen Handschuhen obskure Handlungen vornehmen. Ein bisschen Aufklärung mag da nicht schaden. Die Freimaurerloge Ingolstadt "Theodor zur festen Burg" vermied bei ihrem Ziel, Licht in dieses vermeintliche Dunkel zu bringen, den Ruch des Konspirativen bereits im Ansatz. Etwa bei der Wahl des Raumes: Das Donauhotel gehört nicht unbedingt zu den geheimnisvollsten Orten der Stadt.

Der Referent, der bekennende und begeisterte Freimaurer Egon Hanisch, trieb die Erhellung mit prägnanten Feststellungen voran. Seine zentrale Aussage: "Wir sind kein Geheimbund!" Keine Verschwörung. Nirgends. Vielleicht, das gibt der 72-jährige Jurist zu, "kleiden wir uns mitunter etwas sonderbar", aber das sei nur die Traditionspflege einer "diskreten Gesellschaft" – ohne konspirativen Hintergedanken.

Die katholische Kirche glaubt das den Freimaurern bis heute nicht. "Die verdächtigen uns, sakramentähnliche Rituale vorzunehmen", erklärte Hanisch. Die Hauptursache für die Ablehnung liege in der gegensätzlichen Weltanschauung. "Die Offenbarungskirchen müssen einen Absolutheitsanspruch erheben, weil sie sich sonst selbst in Frage stellen würden. Wir Freimaurer kultivieren das Gegenteil: eine relativistische, tolerante Gesellschaft mit einer humanitären Geisteshaltung, die nicht auf Dogmen beharrt."

Genau deshalb hätten Freimaurer zwei weitere böse Gegner: "Diktatoren mögen uns nicht und islamische Fundamentalisten erst recht nicht."

Doch auch die Herren in den Logen pflegen ihre Feindbilder. Hanisch zählte sie auf: "Krieg, soziale Ungerechtigkeit, Ausbeutung, Turbo-Kapitalismus – das alles nimmt kein Ende!" Der Logen-Meister kann daher eines mit Gewissheit sagen : "Wir sind nach wie vor nötig.

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Donaukurier 12. April 2007